Leidiges Doppelspielrecht

von Reinald Kloska, 21.12.2007

Was unterscheidet unsere Sportart von anderen? Sicherlich dadurch, dass man während einer Partie mehr oder weniger bequem am Tisch sitzen kann und sich wenig bewegen muss. Ein Fußballer hingegen muss, übrigens auch bei Regen oder Schneefall, zumidest auf dem Spielfeld sein (dass sich alle Fußballer auf dem Spielfeld bewegen müssen, ist ein Gerücht, dass sich seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten hartnäckig hält). Tendenziell ist es jedenfalls so, dass sich Sportler anderer Sportarten diese eher nicht sitzend ausüben. Aber um diesen Unterschied geht es hier nicht.

Schachspieler sind mehrfach spielberechtigt! Das bedeutet, ein Spieler kann in mehreren Vereinen an Mannschaftskämpfen teilnehmen, sofern diese Vereine in unterschiedlichen Ländern liegen. Gut, in Kassel interessiert das wahrscheinlich kaum jemanden, sind Ländergrenzen doch recht weit entfernt. Anders sieht es im Badischen aus. Die Schweiz ist nicht fern, Frankreich sogar ganz nah! Was liegt also näher, als ein paar französische Spieler über den Rhein zu locken, damit sie die Teams östlich des Rheins verstärken? Im Gegenzug kann man auch hinüber ins Elsass fahren, um dort ein Team zu verstärken. Bezüglich Ausbau der Freundschaft mit Frankreich kann hier auf kleiner Ebene doch einiges geleistet werden.

Ein kleiner Fehler besteht allerdings bei dieser gegenseitigen Unterstützungsleistung: Die Termine der Verbandsspiele hüben und drüben sind nicht abgestimmt!  Wozu das führt, sieht man, zumindest hier in Mittelbaden und der Ortenau am besten am Beispiel des SC Bohlsbach. In der letzten Saison gelang dem Team aus der Offenburger Gegend der Aufstieg aus der Bereichs- in die Landesliga. Schon damals war aber zu sehen, dass die Ortenauer dies eigentlich nur ihren Legionären zu verdanken haben. Mit 1:7 ging das Spiel gegen das 3. Team aus Kuppenheim verloren – die Franzosen fehlten, weil im Elsass ebenfalls Spieltag war.

Diese Saison geht es ebenso weiter. Drei Siegen zu Saisonbeginn mit der „Startruppe“ steht ein klägliches 1:7 gegen Gernsbach ohne linksrheinische Hilfestellung entgegen. Glück für die Murgtäler, Pech für die anderen Teams. Mit einem Wort beschrieben: Wettbewerbsverzerrung! Dennoch muss man es den Bohlsbachern noch hoch anrechnen, dass sie überhaupt angetreten sind! Andererseits, müssten die Bohlsbacher auf ihre Grenzgänger verzichten … ob deren eigenes Potential dann überhaupt für die Bereichsliga reichen würde?

Andere Vereine lösen das Problem der ausbleibenden Unterstützung auf andere Art und Weise, sie sagen einfach den Mannschaftskampf ab und lassen die Reserveteams in Bestbesetzung antreten. So geschehen durch Lahr und Kehl am 4. Spieltag in der Verbandsliga süd. In der Landesliga war Oberkirch der leidtragende Verein, der gegen Lahr II mit 3:5 den Kürzeren zog.

Hier muss etwas an unseren Regeln faul sein! Die erste Mannschaft eines Vereins tritt nicht an, alle weiteren Teams spielen, teils deutlich verstärkt durch diejenigen Spieler, die eigentlich „oben“ hätten spielen müssen. Abhilfen gegen das Verhalten der Vereine gäbe es, man könnte zum Beispiel das Doppelspielrecht verbieten oder, falls das erste Team eines Vereins nicht antritt, alle weiteren Mannschaften des Vereins mit 0:8 abstrafen. Letzteres würde aber, zumindest aus meiner Sicht, zu absoluter Verzerrung und Unsportlichkeit führen. Besser wäre da schon ein Zwangsabstieg bei einmaligem Nicht-Antreten. 

Die Vereinsvertreter sollten sich auf dem nächsten Verbandstag vielleicht die ein oder andere Regeländerung überlegen. 

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