Aufstiegsängste in der Landesliga?

Kuriose Tabellensituation

von Reinald Kloska, 17. März 2007

Die derzeitige Tabelle der Landesliga Mittelbaden-Ortenau muss man sich einfach auf der Zunge zergehen lassen! Die ersten acht Mannschaften trennen nach dem 7. Spieltag gerade einmal 2 Mannschafts- und 7 Brettpunkte. Sieht man einmal von den beiden Kellerkindern Durmersheim und Bühlertal ab, die keine Chancen mehr besitzen, sich zu verbessern, ist eine bisher nicht da gewesene Ausgeglichenheit vorhanden.

Tabellensituation Landesliga 2007
Tabelle der Landesliga Mittelbaden/Ortenau nach dem 7. Spieltag am 11. März 2007

Wie konnte es zu dieser Situation kommen? Was sind die Gründe dieser Ausgeglichenheit? Um diesen Fragen auf den Grund zu kommen, müssen wir die bisherige Saison vom ersten Spieltag an genauestens unter die Lupe zu nehmen. Mehr noch, wir müssen sogar ein paar Jahre in die Vergangenheit blicken.

Was hatten also die Teams aus der Region von ihren Aufstiegen? Sie durften in der vierthöchsten Spielklasse eine Saison lang gegen andere, eher unbekannte Gegner antreten. Sie durften zu Auswärtsspielen Reisen in andere, weiter entfernte Regionen antreten. Sie durften sich den Sonntag vollends um die Ohren schlagen! Früh aufstehen, um nach Konstanz, Gottmadingen, Waldshut oder Dreisamtal zu fahren. Dort eine Niederlage einstecken und wieder zurück in die Heimat. Dabei gibt es zwischen Lahr und Durmersheim genügend andere Spieler, die einem ebenfalls eine Niederlage bescheren können. Diese erlebt man dann zwar nicht in Horben, dafür muss man aber auch nicht so weit fahren.

Dieser kurze Blick zurück auf die unglücklichen Aufsteiger der vergangenen Jahre macht die Ergebnisse und Taktiken der einzelnen Mannschaften erst verständlich. Gernsbach und Offenburg haben noch frische und beste Kenntnisse über eine Verbandsligasaison. Wen wundert es also, dass sie bereits am ersten Spieltag jeweils 4:4 spielten? Frei nach dem Motto: „Lass uns mal sehen, wer da nach vorne prescht“. Das waren die Kuppenheimer und Rastatter, die jeweils deutliche Siege landeten. Da aber auch in diesen beiden Teams Leute mit Verstand spielen, haben sich beide bereits am zweiten Spieltag eine Aufstiegsversicherung geholt, indem sie ihren Gegnern den Vortritt ließen. Kuppenheim war dabei besonders überzeugend, machten sie dies doch mit einem 2:6 mehr als deutlich. Hierdurch überrascht musste Offenburg – Kuppenheims Gegner – doch den ersten Rang in der Tabelle einnehmen. Dass allerdings alle Vereine mit dem Nichtaufstieg liebäugelten, war nun bereits klar, denn es gab nach dem zweiten Spieltag bereits keine Mannschaft mehr ohne Minuspunkt.

Offenburg hätte sich am 3. Spieltag gerne dem Sieg widersetzt, alleine es ging gegen Bühlertal – was will man da machen? Lahr II machte es ganz clever gegen Vimbuch (Offenburg herhören – da kann man von lernen!) und traten nur zu viert an. Das 1:7 sollte somit reichen, um in dieser Saison nicht in Aufstiegsgefahr zu kommen. Kuppenheim und der SC Rastatt meinten nunmehr, wieder siegen zu können. Ob das nicht etwas zu früh war? Auch am vierten Spieltag wollte es Offenburg nicht gelingen, einen Mannschaftspunkt abzugegeben, die Liga freute sich! Kuppenheim meinte gar, ein Sieg gegen Rastatt könne nicht schaden. Einzig Vimbuch war hellhörig geworden und zwang den OSC, der dies übrigens gar nicht bemerkte sondern, schenkt man Toni Balzert’s Bericht glauben, meinte, sie hätten gewonnen, weil sie deutlich besser (oder die Vimbis deutlich schlechter) spielten, zu einem hohen Sieg. Vimbuch hatte somit die versehentliche Tabellenführung des dritten Spieltages wieder an Offenburg übergeben.

Offenburg, schlau, wie man sie kennt, überreichten Oberkirch die Punkte am 5. Spieltag, die Tabellenführung gaben sie an Kuppenheim ab. Unvorsichtigerweise gewannen die Knöpflestädter gegen Vimbuch bzw. Vimbuch wollte sich vollends gegen den Aufstieg absichern. Urplötzlich waren auch die Rastatter wieder vorne mit dabei – das Los gab ihnen Bühlertal als Gegner. Nun aber waren auch wieder die Mannen von der Murg um Mannschaftsführer Michael Lorenz wieder wach gerüttelt. Eine geheime Aufstiegskrisensitzung brachte das gewünschte Ergebnis: Ein Punkt aus zwei Spielen! Abgabe des ersten Platzes (an wen war völlig egal) und keine weiteren Aufstiegshoffnungen mehr. Leider aber, zumindest für Kuppenheim, hatten die anderen wohl ähnliche geheime Krisensitzungen. Das Ergebnis hiervon: Auch Lahr II, Oberkirch, der SC Rastatt und Offenburg gaben jeweils mindestens zwei Punkte ab. Das Ergebnis dieser Taktiken können wir nun an der aktuellen Tabelle der Landesliga sehen.

Offenburg steht vor Kuppenheim und Vimbuch, aber nur aufgrund der besseren Brettpunkte. Bis zum achtplatzierten Lahr II sind es gerade mal zwei Mannschaftspunkte – fast die gesamte Liga muss noch vor dem Aufstieg zittern! Konsequent und erfolgreich gegen den Aufstieg haben bisher nur Durmersheim und Bühlertal gespielt. Das lässt die Kuppenheimer wieder hoffen, denn da nun diese beiden Teams nicht mehr gegen den Aufstieg kämpfen müssen, könnte man dort doch noch den ein oder anderen Punkt liegen lassen – es wird nötig sein! Offenburg, der SC Rastatt und Vimbuch können sich noch gegenseitig Punkte nehmen. Vielleicht wird am Ende doch noch Lahr II auf den Platz an der vermeintlichen Sonne hochgespült? Die Augen aller ruhen auf diesen beiden letzten Spieltagen:

ausstehende Runden der Landesliga
Begegnungen der beiden letzten Runden der Saison

Saisonverlauf
Saisonverlauf der Tabellenstände

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